Ein weiteres Beispiel wachsender internationaler Zusammenarbeit an der HFT Stuttgart: Dr. Yetay Berhanu hat seine Doktorarbeit erfolgreich verteidigt. Diese wurde kooperativ von der HFT Stuttgart und der Jimma Universität in Äthiopien betreut: Er erhält den Doktortitel für seine Forschungen zum Thema „Räumliche Verkehrssicherheitsanalyse, maschinelles Lernen zur Unfallvorhersage und sicheren Routenplanung in unfall- und staugefährdeten Straßennetzen am Fallbeispiel Addis Abeba in Äthiopien“.
Dr. Berhanu untersuchte in seiner Dissertation mit dem Titel “Spatial Road Safety Analysis, Machine Learning for Accident Prediction, and Safe Routing in Accident- and Congestion-Prone Road Networks: The Case of Addis Ababa City, Ethiopia” wie mithilfe einer Methode des maschinellen Lernens - des Random-Forest-Modells - sowie historischer Unfalldaten und Netzwerkanalysen sichere Routenempfehlungen erstellt werden können. Dieser innovative Ansatz hilft, die Verkehrssicherheit maßgeblich zu verbessern. Unfälle und Staus könnten vermieden werden, weil Gefahren frühzeitig erkannt und alternative Routen vorgeschlagen werden, legte Dr. Berhanu dar.
An der HFT Stuttgart beschäftigte er sich am Kompetenzzentrum Geodäsie und Geoinformatik mit der Aufbereitung und Analyse der in Addis Abeba erhobenen Daten. Im Rahmen seiner Dissertation führte er unterschiedliche Analysen seines umfangreichen Datensatzes mit rund 65.000 registrierten Unfällen durch. Insbesondere durch die Integration klassischer statistischer räumlicher Hotspot-Analysen mit modernen Machine-Learning-Ansätzen gelang es ihm, neue Erkenntnisse zur Unfallsituation in der 5-Millionenmetropole Addis Abeba zu gewinnen. Besonders hilfreich war die Nutzung der ArcGIS-Software, die ihm über die HFT Stuttgart im Rahmen des Hochschulprogramms der Firma Esri Deutschland zur Verfügung gestellt wurde.
![Frisch promoviert: Dr. Yetay Berhanu (Mitte) mit seinen Betreuern Prof. Prof. Dr.-Ing. Dietrich Schröder und Prof. Prof. Dr.-Ing. Franz-Josef Behr [Bild: HFT Stuttgart]](/fileadmin/Dateien/Forschung/_processed_/7/3/csm_2025_0225_Doktorarbeit_Prof._Behr_Prof._Schroeder_Dr._Berhanu_b38111b19c.jpg)
![Dr. Yetay Berhanu hat den Doktortitel in Stuttgart verteidigt. [Bild: HFT Stuttgart]](/fileadmin/Dateien/Forschung/_processed_/0/4/csm_2025_0225_Dr._Yetay_Berhanu_8cda0b69c2.jpg)
Internationale Zusammenarbeit
Die Dissertation von Dr. Berhanu wurde von Prof. Dr.-Ing. Dietrich Schröder (Hochschule für Technik Stuttgart) und Prof. Dr. Esayas Alemayehu (Jimma University) kooperativ betreut. Durch diese Zusammenarbeit hatte Dr. Berhanu die Möglichkeit, sein Forschungsvorhaben in einem internationalen Kontext weiterzuentwickeln und neue wissenschaftliche Perspektiven zu gewinnen.
Die Verteidigung der Doktorarbeit fand in einem hybriden Format statt: So funktionierte der wissenschaftliche Austausch auch über große Entfernungen hinweg, da Professorinnen und Professoren der Jimma University in Äthiopien zur Verteidigung der Doktorarbeit an der HFT Stuttgart virtuell zugeschaltet wurden.
Der Dank der HFT Stuttgart gilt der Jimma University als exzellentem Partner in dieser kooperativen Promotion. Mit dem Konzept der Community-Based Education verfolgt sie das Ziel, lokale Probleme der Gesellschaft in den Forschungsschwerpunkten Ernährungssicherheit und Lebensunterhalt, Gesundheit und Gesundheitsversorgung, Umwelt und Klimawandel, Relevanz und Qualität der Bildung, soziale Gerechtigkeit und Demokratie zu adressieren. Besonders hervorzuheben ist der interdisziplinäre Ansatz, der es ermöglicht, Forschungsprojekte mit der praktischen Anwendung von Technologie und Innovationen zum Wohl der lokalen Gemeinschaft zu verbinden und den Transfer von Forschungsergebnissen und -lösungen in die Gesellschaft umzusetzen.
Dank für Förderung durch DAAD und Glückwünsche
Dr. Berhanu hatte ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) für drei Semester erhalten im Rahmen des Programms zur Stärkung der Ingenieurausbildung „Engineering Education Capacity Building Programme (EECBP) Home Grown“. Wegen der Corona-Pandemie und politischer Unruhen in Äthiopien war die Jimma University zeitweise geschlossen, weshalb Dr. Berhanu mehrere Semester auf eigene Kosten an der HFT Stuttgart verbrachte. Er betonte, dass ein erfolgreicher Abschluss seiner Dissertation ohne die Unterstützung des DAAD und der HFT Stuttgart nicht möglich gewesen wäre.
Die HFT Stuttgart gratuliert Dr. Berhanu herzlich zu seinem Erfolg. Seine Forschung liefert einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der Verkehrssicherheit. Die Hochschule freut sich auf weitere gemeinsame Projekte und wünscht ihm viel Erfolg für seine akademische Zukunft.
Autorin: Isabella Fischer
Promotion an der HFT Stuttgart - kooperativ oder eigenständig
Die kooperative Promotion von Dr. Berhanu ist ein exzellentes Beispiel, wie durch die Zusammenarbeit mit einer HAW und einer Universität Synergien für die eigene Arbeit genutzt werden können. Sie war auch bislang die einzige Möglichkeit, Doktorandinnen und Doktoranden an der HFT Stuttgart zu betreuen. Mit Gründung des Promotionsverbandes Baden-Württemberg 2022 haben die HFT Stuttgart und 23 weitere HAWs in Baden-Württemberg das eigenständige Promotionsrecht erhalten. 16 Professorinnen und Professoren aus unterschiedlichen Forschungsbereichen erhalten durch ihre Mitgliedschaft im Promotionsverband die Möglichkeit, Doktorandinnen und Doktoranden der HFT Stuttgart als Erstbetreuende zu begleiten.